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21. Dezember 2013: Die Schachgemeinschaft trauert um Dr. Georg Tochtermann

Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest, am 21. Dezember, verstarb Dr. Georg Tochtermann, ein überaus verdienter und über die Grenzen seiner Heimatstadt Speyer hinaus bekannter Schachspieler. Wie kein anderer nahm er in fast acht Jahrzehnten der Zugehörigkeit zum SC Speyer 1911 Anteil an und Einfluss auf das Geschehen im Verein. Im März wäre er 94 Jahre alt geworden. Sein Geburtsdatum fiel auf den Tag genau neun Jahre nach dem Gründungstag des Traditionsvereins.

Dr. Tochtermann erlernte das königliche Spiel im Alter von 13 Jahren. Bereits 1935 belegte er in der Stadtmeisterschaft einen hervorragenden dritten Platz. Die Jahre zwischen 1936 und 1947 ließen wegen des Militärdienstes sowie Lazarettaufenthalten keine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Schach zu. Erst als 1948 nach schwierigen Verhandlungen mit der Besatzungsmacht wieder ein geordneter Spielbetrieb in Gang kam, erfolgte der sportliche Durchbruch. In den Jahren 1948 und 1949 gehörte Dr. Tochtermann zu jener legendären und einmalig starken Speyerer Mannschaft, welche die pfälzische Mannschaftsmeisterschaft gewann und in der Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft mitspielte. Gleichzeitig erwarb er die Berechtigung, in der Meisterklasse des pfälzischen Schachbundes beim Schachkongress zu spielen. In diesen Zeitraum fallen auch zahlreiche Meisterschaften innerhalb des Speyerer Schachclubs. Selbstverständlich stand er bis zu seinem letzten Einsatz in der Saison 2011/2012 der ersten Mannschaft des Traditionsvereins als Stamm- oder Ersatzspieler zur Verfügung. Dr. Tochtermann pflegte einen positionellen Spielstil, in dem jedoch auch taktische Elemente nicht zu kurz kamen. Vor allem erwies er sich als ein großer Psychologe, der seine Gegner gut einzuschätzen wusste.

Ende der 80er Jahre machte er sich verdient um die Einführung einer eigenen Spielkategorie für Aktive über 60 Jahre, die zu Beginn der 90er Jahre zur Gründung einer Seniorenliga führte. Sowohl in Einzelturnieren als auch mit der Mannschaft errang er bis kurz nach der Jahrtausendwende weitere Titel.

Es ist unmöglich, sämtliche Titel und Platzierungen aufzuzählen, die Dr. Tochtermann bei seinen Auftritten in renommierten Turnieren erringen konnte. Ob bei Welt- oder Europameisterschaften der Senioren, beim Deutschland-Pokal oder Internationalen Veranstaltungen, sein Name ist stets mit beachtlichen Ergebnissen in den Turnier-Bulletins verewigt.

Sein gutes Abschneiden in diesen Turnieren hatte einen großen Bekanntheitsgrad zur Folge. Er hielt persönlichen Kontakt zu den führenden Meistern des Schachs und konnte einige von ihnen zu Aufsehen erregenden Veranstaltungen in der Domstadt verpflichten. Unvergessen bleibt dabei die Simultanvorstellung des damaligen Vizeweltmeisters und mehrfachen Weltmeisters Anatoli Karpov im Augustinersaal der Sparkasse in Speyer.

Ob seiner großen Erfolge und Verdienste für den Schachsport erhielt Dr. Tochtermann viele Auszeichnungen. Im Schachclub Speyer wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Die Stadt Speyer verlieh ihm die Stadtsportmedaille. Der pfälzische Schachbund, wo der mehrfache Seniorenmeister u.a. im Schiedsgericht tätig war, ehrte ihn genauso wie der Schachbund Rheinland-Pfalz, der ihm die Ehrenplakette verlieh.

Das hundertjährige Bestehen des Speyerer Schachclubs im Jahr 2011 durfte Dr. Tochtermann noch erleben. Die Verschmelzung des Traditionsvereins mit dem vergleichsweise jungen Schachclub Schwegenheim zur SG Speyer-Schwegenheim 2012 trug er mit angesichts der schwierigen Situation, in welcher der Speyerer Schachclub sich befand.
Bis vor wenigen Wochen besuchte er noch regelmäßig die Spielnachmittage der Senioren. In seinem Auto hatte er, um jederzeit und überall eine Partie spielen zu können, ein uraltes Schachspielset aus den 30er Jahren dabei.
„Das Schach“, sagte er, „ist meine letzte große Leidenschaft.“

Peter Flörchinger
Pressewart SG Speyer-Schwegenheim

Simultanveranstaltung mit GM Ilmars Starostits
in der Postgalerie Speyer war ein voller Erfolg

Bericht von Wolfgang Kauer / die Rheinpfalz vom 12.11.2013