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In der letzten Doppelrunde der Saison 2021/22 in der 2. Schachbundesliga Süd erlebte die SG Speyer-Schwegenheim ein trauriges Wochenende. Beide Spiele gegen die Tabellennachbarn OSG Baden-Baden II und SC Ötigheim gingen mit 3,5:4,5 verloren, wobei beide Niederlagen vermeidbar waren.

Von Anfang an stand das Wochenende unter einem schlechten Stern: Aufgrund überfüllter Züge gelang GM Antonios Pavlidis die Anreise von der Niederlande nach Deutschland nicht, sodass die Mannschaft kurzfristig umgestellt werden und Ersatz eingesetzt werden musste. Somit waren aus zwei Spielen auf Augenhöhe plötzlich zwei Spiele in Außenseiterrolle geworden.
Doch auch die anderen Mannschaften hatten Probleme: Kurz vor Spielbeginn am Samstag prüften die Kurstädter den Paragraphenschungel im badischen Schachverband und stellen fest, dass die Spielerin, die an Brett 8 vorgesehen war, nicht eingesetzt werden durfte. Somit gewann Thomas Theel kampflos, was die Siegchancen der Mannschaft aus der Pfalz erhöhte.
Somit konnte es sich IM Oleg Boguslawski (5) erlauben, bereits am Ende der Eröffnung einen Friedensschluss mit seinem Spielpartner einzugehen und einen halben Punkt mitzunehmen.
Deutlich spannender wurde an Tisch 2 der Punkt geteilt: GM Eduardo Iturrizaga Bonelli hatte einen Mehrbauer, dafür sein Kontrahent einen Springer als Vorposten in der gegnerischen Stellung. Aber auch hier einigte man sich früh auf Remis.
Den Ausgleich mussten die Pfälzer hinnehmen, als Enrico Krämer (7) im Mittelspiel die Ideen ausgingen und sein Widersacher sich Zug um Zug verbesserte und in Krämers Stellung festsetzte.
Die Kurstädter gingen gar in Führung, als Simon Commercon (6) nach brauchbarer Position im Mittelspiel mehrere unklare Züge spielte und sein junger Gegenüber einen Weg zum Materialgewinn fand.
GM Mykhaylo Oleksiyenko am Spitzenbrett versuchte alles, übersah wohl eine taktische Möglichkeit, musste sich am Ende aber mit einem Unentschieden zufrieden geben.
IM Gabor Kovacs (4) stand nach der Eröffnung eigentlich schon auf verlorenem Posten, da seine Figuren paralysiert waren und der Gegner frei kombinieren konnte. Der Ungar kämpfte sich jedoch zurück und kam in ein Endspiel mit zwei Türmen gegen eine Dame. Dies versuchte er aufgrund des Rückstandes zu gewinnen und verlor prompt.
Umgekehrt lief es bei GM Toms Kantans (3), der nach der Eröffnung gut stand, dann einen Bauer verlor, am Ende jedoch in einem Turmendspiel die Schwächen der gegnerischen Bauernstruktur konsequent ausnutzte und den einzigen vollen Punkt für die Gäste am Brett erkämpfte. Es half jedoch wenig, 3,5 Brettpunkte genügen nicht für einen Mannschaftspunkt.
Ähnlich die Vorzeichen am Sonntag gegen Ötigheim: Obwohl IM Tomislav Bodrozic an Brett 6 hereinkam und dafür Theel weichen musste waren die Badener an fast allen Brettern nominell stärker, sodass auch hier höchstens Außenseiterchancen für Speyer-Schwegenheim blieben.
Erneut machte Boguslawski gegen seinen erfahrenen Gegner den Anfang, und wieder wurde in stets ausgeglichener Stellung der Punkt geteilt.
In Rückstand ging es für die Pfälzer, als Bodrozic in guter Position ein grober Fehler unterlief, der ihn die Qualität kostete. Er kämpfte zwar noch verbissen, die Partie war jedoch verloren.
Für den Ausgleich sorgte Bonelli, der einen um den anderen Bauer gewann, jedoch ständig aufpassen musste, nicht matt gesetzt zu werden, da die Bewegungsfreiheit seines Königs eingeschränkt war. Diese Aufgabe erledigte er jedoch eines Großmeisters würdig.
Nun war der Moment für Oleksiyenko gekommen, einen halben Punkt mitzunehmen. Er hatte zwar die bessere Zeit und auch leichte Stellungsvorteile, es gab jedoch kein durchkommen.
Den erneuten Rückstand musste Kantans hinnehmen. Schon am Ende der Eröffnung hatte er eine schlechte Bauernstruktur und musste am Beginn des Endspiels dafür büßen, als sich ein gegnerischer Bauer durch seine Stellung fraß.
Doch auch hier kämpfte sich Speyer-Schwegenheim wieder zurück: Krämer hatte sich Raumvorteile erobert und nutzte dies geduldig aus, indem er erst den Königsflügel schloss, danach die Mitte, um schließlich am Damenflügel den entscheidenden Durchbruch zu lancieren.
Einen halben Punkt steuerte Simon Commercon bei, der in einem Turmendspiel einen Mehrbauer hatte, jedoch andererseits einen Bauer kurz vor dem Einzug aufhalten musste. Hier brachte eine Stellungswiederholung das Remis.
Kurze Zeit durften die Pfälzer sogar auf einen Sieg hoffen, da Kovacs einen Bauer für einen Königsangriff gab. Hier fand er jedoch nicht den richtigen Weg, den gegnerischen Monarchen zu stürzen und musste am Ende der materiellen Überlegenheit seines Spielpartners Tribut zollen und verlor.
So bleibt am Ende der Saison mit 11:7 Punkten nur Platz 4 der Tabelle. Besonders ärgerlich ist, dass alle drei verloren gegangenen Begegnungen 3,5:4,5 endeten. (rs)