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23./24.03.2019: Die SG Speyer-Schwegenheim hat verlustpunktfrei den direkten Wiederaufstieg in die Schachbundesliga geschafft. Auch am abschließenden Wochenende gaben sich die Pfälzer keine Blöße und überrannten am Samstag den SV Jedesheim mit 7,5:0,5. Am Sonntag folgte ein umkämpfter 5,5:2,5-Erfolg gegen den TSV Schönaich.
Um nicht am letzten Wochenende den schon sichtbaren Aufstieg zu gefährden trat die SG auch gegen zwei nominell schwächere Gegner sehr stark an, obwohl bekannt war, dass der eine oder andere Spieler in den gegnerischen Reihen fehlen würde.
So entwickelte sich die Partie gegen Jedesheim zu einer einseitigen Angelegenheit, trotz dass Simon Commercon am letzten Brett genau in die vorbereitete Variante seines Gegners lief, der scheinbar einen Bauern stehen ließ, diesen jedoch ein paar Züge später zurückgewann. Am Ende musste Commercon glücklich sein, dass sein Spielpartner ein Remisangebot annahm.
Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, dass es der Ehrentreffer für die Schwaben sein würde, auch wenn kurz später GM Toms Kantans (3) den Siegesreigen der SG eröffnete. Bereits früh hatte er eine aussichtsreiche Position, gewann zwei Figuren für einen Turm und drang dann siegbringend mit seinen Leichtfiguren in die gegnerische Königsstellung ein.
Ähnlich lief es bei IM Gabor Kovacs an Tisch 7, der zwar nach der Eröffnung etwas defensiv stand, dann aber ebenfalls zwei Figuren für einen Turm gewann und diese derart platzieren konnte, dass es für seinen Kontrahenten kein durchkommen gab. Kovacs hingegen konnte Bauern einsammeln.
So stand es zur Zeitkontrolle 2,5:0,5. An allen verbliebenen Brettern hatten die Pfälzer leichte Stellungsvorteile, doch nirgends war ein klarer Gewinn zu erkennen. Doch wie so oft gewinnt man solche Partien, wenn man in der Tabelle oben steht und verliert sie, wenn man unten ist.
Der Erste in der Reihe war IM Miklos Nemeth (5), der sich in einem Turmendspiel mit nur einem Mehrbauern wiederfand. Üblicherweise kaum zu gewinnen, doch es gelang ihm, sich einen Freibauer zu beschaffen. Durch ein Turmopfer konnte er einziehen und sich eine Dame holen. Das genügte zum Gewinn.
GM Nijat Abasov an Brett 2 hatte im seinem Damenendspiel drei Vorteile: einen Mehrbauer, die aktivere Dame sowie die bessere Bauernstruktur. Bei seiner Spielklasse reichte das in Summe, seinen Widersacher immer wieder vor Probleme zu stellen, die am Ende nicht mehr lösbar waren.
Ein materiell gleiches Endspiel hatte GM Adam Horvath (6), jedoch schaffte er es, mit seiner Dame und seinem Turm derart in die gegnerische Stellung vorzudringen, dass er zwei entscheidende Bauern gewinnen konnte.
Ähnlich wie Nemeth hatte auch GM Mykhaylo Oleksiyenko am Spitzenbrett ein Turmendspiel mit einem Mehrbauer. Doch hier hatten beide Spieler jeweils einen Bauer kurz vor dem Einzug auf die gegnerische Grundreihe. Jedoch gelang es dem Ukrainer, den gegnerischen König abzulenken, wodurch sein Freibauer nur noch unter Preisgabe von Material zu stoppen war.
Den Schlusspunkt setzte GM Luca Shytaj (4), der im Mittelspiel eine Qualität für einen Bauer gewann. Mehrfach gruppierte er um, da sich sein Spielpartner geschickt verteidigte. Nach dem Damentausch gelang es dem Heidelberger jedoch, mit seinem Turm hinter die gegnerischen Linien zu kommen, wodurch die Partie entschieden war.
Am Ende stand ein ungefährdeter 7,5:0,5-Erfolg, der sicherlich verdient war, jedoch zu hoch ausgefallen ist. Da der parallel ausgetragene Kampf der Verfolger zwischen Emmendingen und Heusenstamm unentschieden endete, stand zu diesem Zeitpunkt bereits die Meisterschaft fest.
Schwieriger gestaltete sich die Aufgabe gegen Schönaich am Sonntag.
Schon vor der Zeitkontrolle brachte GM Adam Horvath die SG in Führung. Schnell wurden hier Figuren abgetauscht, im Endspiel hatte Horvath die besser positionierten Figuren, was ihm zum Sieg genügte.
Doch die Führung war bald dahin, als der ansonsten so zuverlässige GM Nijat Abasov danebengriff. Er hatte einen Bauer für eine Angriffsposition geopfert, bevor er seinen König auf einem anderen Feld wähnte und einen Bauernzug machte, der sofort die Partie zu seinen Ungunsten entschied.
Für die erneute Führung sorgte GM Mykhaylo Oleksiyenko, der zwei Figuren für einen Turm und zwei Bauern hatte. Diese Mehrfigur setzte er derart geschickt ein, dass sein Spielpartner nur noch reagieren konnte. Irgendwann waren die Drohungen jedoch zu stark, sodass Oleksiyenko souverän gewann.
Sehr solide zeigte sich der für Simon Commercon in die Mannschaft gerückte FM Denis Mager. Mit den schwarzen Steinen ließ er nichts anbrennen, tauschte Figuren und holte am Ende einen halben Zähler.
Das gleiche Ergebnis steuerte IM Miklos Nemeth bei, doch er musste dieses Mal Göttin Fortuna bemühen. Die Stellung hätte sein Gegenüber gewinnen können, da dieser jedoch nicht den richtigen Plan fand, wickelte er in eine Stellungswiederholung ab.
Nun war es IM Gabor Kovacs vorbehalten, den wichtigen vierten Punkt zu holen. Hatte er zu Beginn des Mittelspieles noch leichte Probleme, setzte er danach einen Bauer in Bewegeung, den sein Widersacher nur unter Herausgabe von Material stoppen konnte.
Ein halber Punkt folgte durch GM Toms Kantans, der aufgrund einer besseren Bauernstruktur wohl hätte gewinnen können, aber an der entscheidenden Stelle die richtigen Züge nicht fand.
Zum Ausgleich gewann GM Luca Shytaj ein Endspiel, welches viele Zuschauer schon Remis wähnten. Er opferte eine Qualität, um dann einen Bauer zu forcieren, für den sein Kontrahent seinen verbliebenen Turm geben musste.
Damit verabschiedet sich die SG Speyer-Schwegenheim mit 18:0 Punkten aus der 2. Bundesliga Süd und darf in der Saison 2019/20 wieder in der Schachbundesliga an die Bretter. (rs)